Das Zitat der Jakobspilger »Der Weg gibt dir nicht das, was du willst, sondern das, was du brauchst« ist zu meinem persönlichen Lebensmotto geworden. So gehe ich bei jeder Wanderung meinen Weg, meine Wege. Meistens plane ich vorher die Tour, insbesondere bei Wanderungen, die ich zusammen mit Freunden unternehme. Oder ich nehme an angebotenen Touren wie die beiden folgenden im Nordosten bzw. Südosten Moldovas teil. Im ersten Fall sind es meine Touren und die freundliche Stimme von Komoot, Julia habe ich sie getauft, weist mir den Weg. Im zweiten Fall lasse ich mich einfach »fallen« und genieße die Tour, denn ich nehme sie einfach nur mit und mit Komoot auf.
Diese hier hatte ich wieder einmal geplant. Das Gebiet ist mir schon recht gut bekannt und die Wege bin ich bzw. sind wir schon des Öfteren gewandert. Also habe ich einen Schlenker rechts und einen Schlenker links und so weiter eingebaut. Einfach mal etwas Neues sehen. Denn Wandern ist nicht nur das Gehen eines Weges, sondern auch das Aufnehmen der Umgebung, der Natur und der Situation wie Wetter, Steigung und und und. Wandern ist das Ankommen bei sich selbst.
Wie die Überschrift dieses Blogs andeutet, sind wir dem »mühevoll« geplanten Weg nicht immer gefolgt. Auf dem Weg nach Latrop liegt links ein kleiner, schmaler Pfad. Spontan entscheiden wir uns, dem neuen Weg zu folgen. Wir verlassen die geplante Route. Komoot weist uns regelmäßig darauf hin, dass unsere Route einige Meter rechts von uns liegt und wir die Karte nutzen sollen, da keine Planung möglich ist. Ich schalte nämlich immer bei Wanderungen das Smartphone in den Flugmodus. Die Tour und auch die Karte des Gebietes lade ich vorher herunter, sodass ich offline den Weg gehen kann. Eine gute Möglichkeit, beim Wandern nicht gestört zu werden.
Und dieser neue Weg gibt uns einen wundervollen Blick in die Natur. Das Grün blüht uns nur so entgegen, auch noch Ende August. Wir genießen den Pfad, wir genießen jeden Moment. Der Weg hat uns wieder das gegeben, was wir brauchen. Und manchmal ist es dafür notwendig, geplante oder auch alte Pfade zu verlassen, um Neues und Erfrischendes zu erhalten.
Auch nach unserer Mittagspause in Latrop beim Gasthof Grubental, wir haben die Brotzeit bestellt, zwei Scheiben Graubrot mit viel gutem Schinken, verlassen wir ein zweites Mal unseren geplanten Weg. Wir gehen auf einem wunderschönen zugewachsenen kleinen Pfad entlang die steile Strecke nach Schanze hinauf. Brennnesseln bedecken unseren Weg, aber einen kleinen Schimmer, wo der Weg herführt, haben wir dennoch. So gehen wir durch die wilde Natur hoch, um dann bei strahlend blauem Himmel an einem Hochsitz zu verschnaufen. Der Weg hat hier eine Steigung von 15 % – nicht ganz ohne für einen aus dem flachen Münsterland kommenden Wanderer. Doch gerade diese Strecken bereiten mir immer eine Freude. Das sind irgendwie Herausforderungen, die uns der Weg gibt, also das, was wir brauchen und nicht das, was wir wollen.
Später kommen wir in Schanze an der Skihütte an und wir genießen unser verdientes kühles Bier, ein Veltins gemischt mit Almdudler. Mit Blick auf den Hang, über den die Skifahrer im Winter den Berg herunterrauschen, hören wir der bayrischen Musik mit Alpenhörnern zu. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zu unserem Ziel, dem Gasthof Schanze, wo wir auch gestartet sind.
(Mit einem Klick auf die nachfolgenden Fotos kannst du dir die Tour bei Komoot ansehen.)


